Als Student an der Hotelfachschule Genf wetterte er: «Für eine Hotelkette arbeiten? Nie! Ich will meine Freiheit.» Heute bestätigt Pierre Isenschmied mit viel Erfahrung genährter Überzeugung das Gegenteil. «Die Hotelgruppe bietet eine einzigartige Fülle an Know-how, Kollegen auf die Verlass ist und Spezialisten, die uns laufend beraten.» Für den Direktor des Hotels Ibis in Sitten beschränken sich die Pflichten der Kette nicht nur auf das Mauerwerk und ein paar nützliche Protokolle. «Die Seele des Betriebes liegt in unseren Händen.» Und die Eigenständigkeit? Die hat er. «Ich geniesse in der Organisation alle Freiheiten.» Wie jeder Direktor kennt er auch die Kehrseite der Medaille. «Es passiert hin und wieder, dass ich meine Rückkehr nach Hause für die nächste halbe Stunde anmelde, und dann erst zwei Stunden später eintreffe.» Seine Frau zeigt viel Verständnis dafür. Sie ist auch im Hotelfach in Crans-Montana tätig und kennt das Lied. Pierre Isenschmied hätte eigentlich Gardemasse für einen Basketballspieler (er misst 1.98 Meter), aber wegen der abendlichen Verpflichtungen verzichtet er darauf. Das ist für ihn nicht weiter schlimm. Er liebt sein Handwerk. Aber in den Ferien will er nichts von Hotels wissen. «Man findet uns auf einem Campingplatz oder auf einer Kreuzfahrt. Wir möchten unsere Ferien geniessen und nicht ständig an die eigene Arbeit erinnert werden!»

Von Bora-Bora nach Sitten Pierre Isenschmied beschreibt sich selbst als reines Hotel- und Tourismusprodukt. Seine Eltern arbeiteten für eine Hotelbetriebsgesellschaft in Leysin. Als kleiner Knirps pendelte er zwischen dem Familienbüro und den Hotels der Station. Das Abschlusspraktikum der Hotelfachschule auf der Insel Bora-Bora prägte ihn tief. «Ich lernte, mich einer ganz anderen Funktionsweise anzupassen und kurzfristig Entscheidungen zu treffen.» Nach der Rückkehr in die Schweiz erfüllt er sich einen Kindheitstraum: im einem Flugzeug zu arbeiten. Er steigt als Steward bei Swissair ein. «Damals konnte man sich 1-2 Tage zwischen jedem Flug in den Destinationen aufhalten, was ich natürlich voll ausnutzte.» Das Abenteuer geht mit dem Grounding der schweizerischen Fluggesellschaft im Jahre 2001 zu Ende. Fest entschlossen, sich nicht als Arbeitsloser zu melden, findet er schon bald eine Stelle als Rezeptionnist im Hotel Ibis in Sitten. Drei Jahre später übernimmt er die Direktion des Betriebs mit seinen 23 Mitarbeitern. «Ich liebe das Wallis und seine Lebensqualität und verspüre überhaupt keine Lust mehr, diesen schönen Flecken Erde zu verlassen.»

Pierre Isenschmied: «Ich vermisse die traditionelle Hotellerie kein bisschen. Die Hotelkette Ibis verfügt über ein aussergewöhnliches Kompetenznetz.»

Die Sittener Hotellerie leidet

Innert Jahresfrist hat die Region Sitten drei Hotels (28% der Betten) verloren. Als Präsident der Hoteliers von Sitten und Umgebung bedauert Pierre Isenschmied diesen Umstand, welcher dem Tourismus und den Beherbergern schadet. «Das Hotelangebot der Hauptstadt ist nicht zufriedenstellend. Wenn die Gäste im Internet auf die Übernachtungsmöglichkeiten stossen, sind sie der Meinung, sich in einem unscheinbaren Nest zu befinden und wenden sich an Orte in der Talebene mit einem besseren Angebot. Es fehlt ein Referenzhotel.» Pierre Isenschmied hofft, dass die Stadt diesem Manko Rechnung trägt, indem sie bei der Planung zur Neugestaltung des Bahnhofs auch den Bau eines Hotelkomplexes einbezieht.